Challenging the Theater of Memory.

Yiddish Song beyond Kitsch and Stereotype

Ein Forschungsprojekt am MMRC, gefördert durch den AR-Pilot Call 2022 der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

 

Kurzbeschreibung:

Das Projekt „Challenging the Theater of Memory. Yiddish Song beyond Kitsch and Stereotype“ ist eine Exploration und Dekonstruktion der verschiedenen Arten wie Jüdisch-sein in Aufführungen von jiddischen Liedern repräsentiert und verkörpert wird mithilfe von ethnographischer Forschung und musikalischer Performance.

In Österreich und Deutschland gibt es eine ganze Reihe an Erwartungen an Performer*innen, Repertoire und Art wie Jüdisch-sein auf der Bühne repräsentiert wird. Der Soziologe Michal Y. Bodemann nennt dieses Phänomen, in dem jüdische Teilnahme im öffentlichen Leben eine Rolle im post-nationalsozialistischen deutschen Narrativ spielt, das Gedächtnistheater (Bodemann 1996). Im Gedächtnistheater wird die Vielfalt und die Komplexität jüdischen Lebens instrumentalisiert und auf eine Nebenrolle im deutschen oder österreichischen politischen Narrativ reduziert. Die Aufführung jiddischer Lieder und des kulturellen Erbes aschkenasischer Jüdinnen* und Juden sind ebenfalls von diesem Phänomen betroffen. Oft wird jiddische Musik und Kultur durch nostalgische Tropen vom traditionellen Leben im „Shtetl“, stereotypische Bilder von „Ostjuden“ und der Zerstörung durch die Shoah repräsentiert. Solche Aufführungen jiddischer Musik bestärken oft hegemoniale Narrative, anstatt dass sie jüdische Minderheiten in Österreich und Deutschland ermächtigen.


In diesem künstlerischen Forschungsprojekt reflektieren die jiddischen Musiker*innen Isabel Frey und Benjy Fox-Rosen über ihre Versuche das Gedächtnistheater durch ihre künstlerische Praxis herauszufordern. Basierend auf ihren Erfahrungen vergangener Aufführungen sowie Theorien aus Performance Studies, Jewish Studies und der Ethnomusikologie, entwickeln sie ein künstlerisches Programm, welches Musik, Text und visuelle Projektionen zusammenbringt. Dieses Programm steht im Zentrum des Forschungsprojekts; es wird in unterschiedlichen Settings und vor verschiedenem Publikum aufgeführt. Das Projekt wird durch auto-ethnographische Forschungsmethoden (siehe Bartleet 2021) und audiovisuelle Aufnahmen dokumentiert und im Research Catalogue publiziert. Das endgültige Ziel des Projekts ist ein Förderantrag für das PEEK Programm des FWF im Frühling 2023, welcher auf den Ideen und Konzepten des Pilot Projekts aufbauen wird.

Bartleet, Brydie-Leigh. "Artistic Autoethnography: Exploring the Interface between Autoethnography and Artistic Research." In Handbook of Autoethnography, edited by Tony E. Adams, Stacy Holman Jones and Carolyn Ellis, pp. 133–145. New York: Routledge, 2021.
Bodemann, Y. Michal. Gedächtnistheater: die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung. Hamburg: Rotbuch-Verlag, 1996.

 

Projektleitung: Isabel Frey und Benjy Fox-Rosen

Finanzierung: AR-Pilot Call 2022 der mdw, Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF (Projektnummer Z 352-G26)